Kreditklemme – Es kommt auf den Blickwinkel an
March 1, 2010 – 10:35 am | Bitte kommentieren

Mit dem Jahreswechsel hat die Bundesbank auch ihre erstmals im Juli 2009 durchgeführte Sonderumfrage zum Thema “Kreditvergabe” wiederholt. Die Werte der Umfrage sind annähernd konstant geblieben, was die Bundesbank als gutes Zeichen gegen eine Verschlechterung der Kreditvergabe an Nichbanken deutet. Andere deuten die stabilen Werte eher als ein Zeichen dafür, dass die derzeit schlechten Bedingungen [...]

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Zwickmühle

Submitted by Thorsten Hahn   on July 10, 2009 – 9:00 pm6 Comments
Zwickmühle

Für Banken ist die aktuelle Zwickmühle kein Brettspielergebnis, sondern bitterer Ernst.

Es ist noch gar nicht lange her, da haben Politiker mit dem Finger auf Banken und deren Manager gezeigt, weil diese sich allzu risikoreichen Geschäften zugewandt und damit die Bankenlandschaft in turbulente Zeiten geführt hatten. Allerorts wurde über die Gründe der Finanzkrise diskutiert und es wird immer noch über Wege diskutiert, die aus der Krise herausführen. Egal, ob sich die Ergebnisse der Diskussionen neuen Beratungsmodellen widmen, die Konzentration auf bestimmte Zielgruppen fordern, Honorarberatung hervorheben oder eine stärkere Regulierung anmahnen, eines kommt bei den Diskussionen immer wieder auf: Wir müssen zu unseren Wurzeln des Bank- und vor allem des Kreditgeschäfts zurückfinden.
Aus der Finanzkrise wurde die Wirtschaftskrise und jetzt sind es die gleichen Politiker, die wieder mit dem Finger auf uns Banker zeigen. Diesmal, weil wir uns an die Regeln halten. Diese Regeln passen aber nicht in die aktuelle Wirtschaftslage und schon gar nicht in die aktuelle politische Lage.
Das aktuelle Ergebnis ist wie die Zwickmühle beim Brettspiel, im Grunde können wir nur verlieren. Staatlich und damit mit Steuergeldern gefördert und gerettet, weil Banken anders als Autobauer die wirtschaftliche Aorta eines Landes sind, wirkt die Forderung, dass genau diese Banken nun gefälligst auch den deutschen Unternehmen mit Krediten aushelfen, nur allzu verständlich. Steinbrück drohte am letzten Sonntag sogar mit drastischen Maßnahmen und sogar der Bundespräsident meldete sich zu Wort und mahnte die Banker zur Großzügigkeit.
Um Großzügigkeit geht es im Kreditgeschäft nicht, denn wenn ein ordentlicher Banker nach Bewertung aller Informationen zu der Entscheidung kommt, einen Kredit nicht vergeben zu können, da die Rückzahlung gefährdet ist, es dennoch tut und der Kredit wie prognostiziert ausfällt, dann werden die fingerzeigenden Politiker zum dritten Mal auf uns zeigen.
Hat die Zwickmühle nur zwei Dimensionen, kommt in der aktuellen Situation noch eine weitere Dimension hinzu, denn in der Tat sind Kredite zwar mit 1,8% im Mai gestiegen, jedoch so langsam wie noch nie. Hinzu kommt ein völlig ausgebremstes Geldmengenwachstum, was im Gesamtergebnis zu einer Liquiditätsfalle führen könnte.
Mit Schuldzuweisungen kommen wir da nicht weiter. Politiker, Banker und Unternehmer gehören an einen Tisch. Krisen bewältigt man im Schulterschluss.

Foto: © logos/www.stockxpert.com

6 Kommentare »

  • [...] Juli 2009, 11:39 von Franzi Diesen Bericht bekam ich heute über einen Newsletter und ich kann nur eines sagen: SCHTÜMMT, DA HATTER [...]

  • Peter Schnell OF says:

    Gute Analyse. Das Stichwort “Basel II” gehört noch dazu. Was definitiv im Sinne der notwendigen Regulierung ist. Das bittere Fazit kann leider nur sein, dass es keinen Sinn macht, staatliche Mittel weiter in den Bankensektor zu Pumpen. Soweit staatlicherseits eine Belebung von realwirtschaftlichen Sektoren gewünscht wird, muss der Staat wohl leider selbst als Banker auftreten. Ohne die hier einzugehenden Risiken zu verschleiern…

  • Zwar sind die Banken in der Zwickmühle. Allerdings in einer anderen als hier beschrieben.
    Hätten die Häuser schon in den vergangenen Jahren all das Geld, das sie im Verbriefungsgeschäft verzockt haben, stattdessen in Unternehmenskredite investiert (ein Geschäft, das sie gut verstehen und dessen Risiken sie beherrschen), hätten sie vielleicht höhere Wertberichtigungen in diesem Geschäft gehabt, aber bei weitem nicht sich und die Welt in die derzeitige Krise gestürzt. Es wären schlicht die Gewinne der Häuser und ihre Eigenkapitalrenditen geringer ausgefallen. Sie wären aber ihrer volkswirtschaftlichen Funktion grecht geworden, das Wirtschaftswachstum mit dem notwendigen Kapital zu fördern und dafür entsprechende Risiken zu nehmen. Stattdessen huldigten sie dem angelsächsischen Vorbild der Verbriefung, strebten danach, Risiken aus ihren Bilanzen zu entfernen, drängten immer kleinere Unternehmen in die Finanzierung über den Kapitalmarkt und betrachteten den klassischen Unternehmenskredit als Auslaufmodell. Unternehmen, die den Kapitalmarkt nicht nutzen wollten oder konnten, waren nur noch Kunden zweiter Klasse.
    Dann krachte es gewaltig im Verbriefungsmarkt – im Immobilienbereich zwar, aber wieder leiden die Unternehmen, die auf Kredit angewiesen sind, weil die Banken sich bei der Kreditvergabe extrem risikoavers verhalten. Banken beklagen sich, wie risikoscheu ihre Privatkunden sind – alle wollen nur (margenarme) sichere Anlageprodukte kaufen, Anlageprodukte höherer Risikoklassen lassen sie links liegen. Die Banken jedoch verhalten sich nicht anders und müssen selbst erst wieder zu einem vernünftigen Risikoverständnis finden.
    Worin liegt nun die eigentliche Zwickmühle der Banken? Sie liegt darin, mit vernünftigem Risikoverständnis, mit wirklich fairer Beratung ihrer Firmen- und Privatkunden, unter Erfüllung ihrer volkswirtschaftlichen Funktion, den Renditehunger ihrer privaten und öffentlich-rechtlichen Eigentümer zu stillen. Keine einfache Aufgabe.
    Der Staat könnte die Banken dennoch im Kreditgeschäft helfen, indem er Teile des 480-Milliarden-Rettungspakets umwidmet und nicht Banken damit subventioniert, sondern kreditbedürftige Unternehmen großzügiger mit Ausfallbürgschaften unerstützt. Das würde den Insituten die Kreditvergabe erleichtern.
    Abschließend ein Wort zum Thema “Schuldzuweisungen”: Gibt es keinen Schuldigen, dann gibt es keine Verantwortung, dann gibt es keine Konsequenzen, die dem Maß der Schuld gerecht werden. Genau auf diesem Weg befinden wir uns gerade, fürchte ich. Die Krise wird in Vergessenheit geraten, wie alle Krisen zuvor auch. Die nächste Krise wird umso größer – wie es bisher schon gewesen ist. Und das, obwohl die Schuldigen und die Ursachen dieser Krise eindeutig bekannt sind.

  • Stephan Jelinek says:

    Hätte…könnte..wollte… es lebe der Konjunktiv ;-) Danke für diesen gelungenen Beitrag, Thorsten Hahn. Eigentlich fehlt mir noch der Hinweis, dass es die gleiche Politikergeneration ist, die jetzt ohne Sinn und Verstand auf “die Banker” eindrischt, die es über Jahrzehnte versäumt hat, Mrd. Steuern in die Bildung SINNVOLL und ZIELGERICHTET zu investieren, anstatt in einen aufgeblähten öffentlichen Dienst…
    Kein Input- kein Output. Folglich verstehen “die Menschen da draußen” das alles auch schon lange nicht mehr und sind somit gut lenkbare Schafe auf dem Weg zur Schlachtbank (Wahlkabine). Also macht diese Vorgehensweise doch absolut Sinn. Kurz nach der Bundestagswahl werden wir dann auch Stück für Stück erfahren, was und wirklich droht. Die Steuerkohle wird verzockt sein, weit weniger neue Steuern werden Dank steigender Arbeitslosigkeit und Insolvenzquote (Firmen & Private) eingenommen und so wird es zu steigenden Steuern kommen. Das Gejammere höre ich jetzt schon.
    Also ist es doh toll, dass Banken nicht auch noch zusätzliches Geld in diesen Gulli stopfen ! Diese Politikprofis haben doch gar keine Ahnung, welche Qualen “die Banker” seit vielen Monaten aushalten…
    Hätte ich nicht die Gnade erfahren, eine gute (überwiegend kostenlose) Bildung erhalten zu haben, würde ich vielleicht auch der Partei der Nichtwähler beitreten. Es ist schon ein Jammer mit dieser Jammerei. Könnten wir nicht ;-)

  • Christian Stöckmann says:

    bei aller förderung sollte man auch bedenken, dass die eigenkapital situation nicht verbessert wird. wenn nämlich nur bürgschaften vergeben werden oder unterstützungen als fremdkapital in der bilanz auftauchen, dann ist es für den kunden zwar unverständlich, weil man ja das geld einfach weitergeben könnte… doch stichworte wie basel II sind ja schon gefallen…

  • @ Stephan Jelinek: Natürlich kann man dem Versagen “der Banker” (sagen wir lieber “vieler Bankmanager”, das schließt all diejenigen aus, die aus Umsatzdruck gezwungen sind, ihren Kunden unpassenden Produkte zu verkaufen) das unbestreitbare Versagen der Politik an unzähligen Ecken und Enden vorhalten. Das hilft nur nicht einer möglichst dauerhaften Stabilisierung der Finanzbranche.

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